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Geheimnis der nachdenklichen Dame
Von Peter Morlok:
Seit Freitagabend weht der Wind weltumspannender Kunst durch die kleine Galerie des Projekts Zukunft im Horber Kloster.
Der in Karlsruhe geborene und heute in Landau lebende international renommierte Maler Rainer Magold, konnte für eine Ausstellung einiger seiner expressionistischen Arbeiten gewonnen werden.
Magold hat sein »Tagebuch der Emotionen«, wie sein Schaffen einst von einem Kritiker genannt wurde, weit aufgeschlagen und lässt den Betrachter tief in sein Seelenleben blicken. Neben einigen orgastisch-eruptiv, enthemmt-abstrakten Landschaften, die von den Vernissagebesuchern teils als Achterbahn, Baugerüst oder Straßenszene erkannt wurden, sind es überwiegend Porträts und Frauenakte, die der Künstler für diese Ausstellung ausgesucht hat.
Die Nagolder Künstlerin und Ausstellungsmacherin des Projekt Zukunft, Muriel Shah, sagte beim Anblick dieser leidenschaftlich gemalten Bilder: »Jeder wünscht sich, Frau zu sein – dann hat man die Chance, von Rainer Magold gemalt zu werden.« Dieser Wunsch ist beim Anblick der intensiv wirkenden Bilder allzu verständlich.
Der Badener lässt sich auf den stummen Dialog mit dem Modell ein, er kehrt das Innerste nach Außen, malt sich die Seele aus dem Leib und bringt seine Sichtweise auf ganz eigene Weise auf die Leinwand. Kraftvoll, erotisch, verliebt, schmerzhaft, in düsterer Heiterkeit, klar und geheimnisvoll, lebendig und melancholisch. Alle Bilder sind irgendwie gleich, sie tragen die Handschrift von 50 Jahren künstlerischem Schaffens und doch ist jedes so unterschiedlich, so eigen, wie das wahre Leben.
Da ist die spanisch anmutende Tänzerin, die ihr Lebensgefühl, ihre Lust im Rhythmus des Tangos fast in den Saal schreit und daneben hängt die Frau, deren Profil ganz viel Freiraum für Gedankenspaziergänge lässt. Worüber denkt die Dame nach? Ist sie in Gedanken bei der Familie, beim Mann, beim Liebhaber oder war sie in einem Konzert, dessen Töne noch in Gedanken nachschwingen? Alles ist möglich, und die Antwort wird sicher recht verblüffend sein. In vielen Gemälden dominiert Blutrot und Schwarz als Grundfarbe, sie strahlen eine gewisse Morbidität aus, die aber inspiriert und nicht aufs Gemüt schlägt, sondern dem Werk einen edlen Touch verleiht. Bei anderen Bildern wiederum spürt man die Leichtigkeit, die im Atelier geherrscht hat, als die Sitzung stattfand, nahezu direkt. Helle Farben mit leichtem Grünanteil frischen auf und gaukeln in der warmen Farbtemperatur mühelose Leichtigkeit vor. Ob dunkel oder hell, Porträt und Aktmalerei ist immer sehr schweres, emotional beladenes Schaffen, das sich viele Künstlerkollegen nicht mehr zumuten. Zuviel Herzblut fließt dabei die Leinwand hinunter.
Magold marschiert aber auf diesem kraftzehrenden Weg in bewundernswerter Gelassenheit schon sein ganzes Künstlerdasein, denn er liebt die Frauen mit der Leidenschaft des Besessenen, dessen ganzes Streben darauf ausgerichtet ist, seine Sichtweise des vergänglichen Momentes in Farbe festzuhalten. »… so habe ich das noch nie gesehen« – so der Titel dieser 15. Ausstellung im Klosterforum – bietet eine Auswahl der wunderbaren Bilder von Rainer Magold, die noch bis Juli zu bewundern sind und dem Besucher die Möglichkeit bietet, das Geheimnis der nachdenklichen Dame ganz allein für sich zu lüften.
19.04.2010 Peter Morlok
die Kritik II
http://www.kunst-spektrum.de/html/rainer_magold.html
die Presse
Ausstellung in Horb bei Stuttgart
Rheinpfalz 29.04.10

